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... weil man seine Gedanken nicht ausblenden kann.

Jeden Morgen wenn ich in der Dusche stehe, überhäuf' ich mich selbst mit dutzenden von Fragen. Fragen, die ich mir selbst nicht beantworten kann. Oder eher: Nicht beantworten will... . Angefangen damit, dass ich mir alte Beziehungen vor mein innerliches Auge gehalten hab, undalle möglichen schönen Momente durchgegangen bin. Gemeinsam im Bett liegen und nebeneinander aufwachen, lustige Autofahrten zusammen, oder einfach nur Gespräche und Wörter des anderen, die man einfach nicht vergisst. Die sich im Kopf eingebrannt haben wie eine Narbe, oder ein Tattoo. Manchmal in Farbe, manchmal schwarz-weiß. Und dann frägt man sich, wie nach all der schönen Zeit und diesen haufenweisen Momenten doch alles zerbrechen kann wie ein Spiegel der in tausend Scherben zerspringt. Woran man sich, wenn man nicht vorsichtig genug ist, an jeder Kante schneiden kann und blutet. Und warum kann man nicht loslassen? Oder will man nur nicht? Es ist doch so viel schmerzlicher an diesen Erinnerungen festzuhalten, wenn man weiß, dass es in dieser Art nie mehr vorkommen wird, wie es wahr. Dass es zu Ende ist, ein entgültiger Schnitt sozusagen. Ist das nicht viel intensiver und schmerzender als sich die Streitereien, nervigen Macken des Partners oder einfach unschöne Momente zu kennen, und froh zu sein, diese loszuwerden? Komischerweise habe zumindest ich, all dies immer ausgeblendet, wenn ich daran zurück denke. Die große Frage ist nur das wieso? Weil ich mich an die Zeit klammere vielleicht? Weil ich Angst habe, so etwas nicht mehrzu erleben und wenigstens etwas Schönes in Erinnerung zu haben? Ich weiß es nicht. Oder einfach, um den Schmerz, der das Ende der Beziehung gebracht hat, zu überdecken? Oder einfach ganz simpel: Weil es schön war? Wenn dies so wär, dann müsste das Einsehen, dass es so nicht mehr ist, doch um so mehr enttäuschender sein. Was einen fragen lässt. Nach etlichen Liebeserklärungen und Zärtlichkeiten die man ausgetauscht hat und eigentlich auf Wolke Sieben schwebte, warum entwickelte sich dann etwas so negativ? Und warum immer noch einseitig? Ich könnte noch mindestens zehn Warum fragen, aber das würde wohl zu sehr abdriften. Wenn ich nach den Thesen oben gehe, dass man sich das alles in Erinnerung rufen will, aus welchem Grund auch immer, dann will man nur einfach nicht loslassen, oder? Es ist wirklich schwer überhaupt zu definieren was in dieser Situation der Unterschied zwischen „kann“ und „will“ ist. Gibt es da überhaupt einen? Viel zu kompliziert... es macht mich auch ebenso ständig kaputt, dauernd diese Fragen und Situationen im Kopf schweben zu haben. Dazu die Bilder der Verflossenen, die man in einem Moment mit einem glücklichen Gesicht vor Augen hat, und im nächsten mit einer bösen, verachtenden Miene, von der man sich nicht erklären kann: Was zum Teufel hab ich falsch gemacht? Danach auf unbestimmte Dauer mindestens die Hälfte der Woche mit der Frage und dem Gesicht vor Augen aufzuwachen, macht auch nichts besser. Im Gegenteil, es quält einen nur immer mehr, immerzu. Je öfter man diesen Menschen sieht, der einen schlaflos macht, desto größer ist der Drang ihn anzuschreien, zu schütteln und zu fragen was das soll. Aber wer tut das schon? Wer hat soviel Mut in den Knochen und soviel Zeit und so wenig zu verlieren, dass er das tut? Ich glaube sogut wie niemand. Für mich ist das nur eine Frage der Zeit, bis jemand, dem solche Gedanken und Bilder und vorallem FRAGEN durch den Kopf gehen, und die sich festhalten und einkrallen, irgendwann zusammenbricht unter all dieser Last. Eine Last, die eigentlich keine ist. Eine Last, die man niemals mit sich rum tragen sollte, aber es doch dauernd und ständig tut. Die eigentlich kein Gewicht hat, und trotzdem schwerer als ein Haufen Steine wiegt. Und davon abgesehen, dass ich mich ständig im Kreis drehe, und versuche alle möglichen Seiten dieses Chaos' zu hinterfragen, gibt es doch keine Antwort. Aber irgendwie tröstet es mich, dass ich wenigstens aufschreiben kann, was für Gedankenschübe ich hab', wenn mein Kopf mal wieder kurz vorm explodieren steht, und man selbst am liebsten schreien würde. Denn irgendwie glaube ich, ist jeder zwiegespalten. Einerseits möchte man diese Gedanken packen und wegwerfen, am besten verbrennen. Und andererseits hält man sich daran fest nur um zu merken: Ich war, wenn auch nur kurz oder ohne große Bedeutung, für jemanden mal wichtig.
11.12.10 16:25
 


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